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Kultur

Bauhaus ist mehr

Eine Schule zur Zusammenführung von Kunst und Handwerk

Von Kerstin Wolff

(Fotografie: Wilfried Hoesl)

Es war Walter Gropius, der 1919 in Weimar das Bauhaus als eine Kunstschule zur Zusammenführung von Kunst und Handwerk gründete. Voll ausgestattete Werkstätten für Handwerksberufe wurden eingerichtet – von der Tischlerei bis zur Druckerei. Nur aus der souveränen Beherrschung des Handwerks seien alle Kunstgroßtaten vergangener Zeiten hervorgegangen, sagte Walter Gropius anlässlich einer der ersten Schülerausstellungen am Bauhaus.

Die Architektur spielte am Bauhaus eine besondere Rolle – in ihr sollte alles münden. So formulierte Gropius im Gründungsmanifest: „Das Bauhaus erstrebt die Wiedervereinigung aller werkkünstlerischen Disziplinen – Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Handwerk – zu einer neuen Baukunst.“

Aber bevor die Studierenden sich der Architektur widmeten, standen die Formenlehre, Materialstudien, die Farb- und Kompositionslehre, die Material- und Werkzeuglehre und eine Vielzahl weiterer Kurse im Lehrplan. Unkonventionelle Ansätze waren dabei keine Seltenheit: Johannes Itten ließ Materialien blind ertasten und gymnastische Übungen durchführen, damit die Schüler lernten, ihren eigenen Körper zu erleben. Geprägt durch das Grauen der Kriegsjahre verfolgte diese Gemeinschaft von Künstlern, Architekten und Konstrukteuren gemeinsam das Ziel, das Leben im Industriezeitalter durch Design und Architektur neu zu gestalten – ein optimistischeres, toleranteres, schöneres Leben sollte entstehen.

Faszinierend ist für mich dabei, wie stringent einige ihre Ideen umsetzten, obwohl die Gesellschaft außerhalb des Bauhauses in einer ganz anderen Zeit zu leben schien. Nehmen wir das triadische Ballett von Oskar Schlemmer – wäre es eine neuzeitliche Entwicklung und würde es dieses Jahr im Staatstheater in Braunschweig Premiere feiern, wäre es rund 97 Jahre nach Uraufführung nicht immer noch futuristisch? Wie muss es auf die Bewohner in Dessau gewirkt haben? Oder die Harmonisierungslehre von Gertrud Grunow, deren Kurs sich zusammensetzte aus einer Mischung aus Farbpsychologie, selbst entwickelter Musikpädagogik und körperlichen Übungen und bei dem die Studierenden zu rhythmischen Tonfolgen Figuren einnehmen und den Ton nachfühlen mussten, wäre diese Lehre als Teil des Architekturstudiums uns nicht immer noch neuartig und ein bisschen fremd?

Aber vielleicht braucht es genau diese kreative Umgebung, um Einzigartiges entstehen zu lassen.

Und vielleicht ist es der auch von Marcel Breuer verfolgte Ansatz, die Form eines Entwurfes von der Funktionalität abzuleiten, der zu einem zeitlosen Design führt. Denn ist es nicht seltsam, dass wir die Möbelentwürfe der damaligen Zeit oder die Gebäude (zum Beispiel von Richard Neutra) – immer noch als schick und modern empfinden? Liegt hier der Schlüssel für einen Entwurf mit einer zeitlich unbegrenzten Schönheit? Bauhaus ist weit mehr als weiß, rechteckig und transparent.

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Stadtglanz Print-Ausgabe 11 / März 2019.