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Kultur

Das Kunstmuseum Wolfsburg denkt grün

Das Kunstmuseum legt großen Wert auf die Umwelt

Von Katharina Derlin

(Fotografie: Marlene Brandt)

Ein „grünes“ Museum zu werden – das hat sich das Kunstmuseum Wolfsburg unter der Leitung von Direktor Andreas Beitin zum Ziel gesetzt. Der seit 2019 in Wolfsburg tätige Kunsthistoriker legt Wert auf die Ökobilanz des Hauses, streicht bewusst Langstreckenflüge vom Reiseplan, wenn sie nicht absolut notwendig sind, und ersetzt Flüge durch Bahnfahrten, wo es möglich ist. Die vielen Reisen, die Direktor und Kuratorinnen zu Meetings, Leihverhandlungen, Recherchen und Eröffnungen üblicherweise machen, finden nun vermehrt im Digitalen statt. Und auch bei den Kunst- transporten ändert sich einiges, denn sie sind ein wesentlicher Bestandteil eines Ausstellungshauses. Hier wird nun am Kunstmuseum großen Wert darauf gelegt, auch diese, so umwelt- schonend es geht, umzusetzen. Luftfrachten werden reduziert, immer mehr Werke sollen auf dem Seeweg oder per Bahn transportiert werden. Das erfreuliche dabei: das schont sogar noch das Budget. „Ganz auf Transporte zu verzichten kann natürlich auch nicht die Lösung sein, um Museen ‚grüner‘ zu machen, denn auch in Zukunft noch wollen wir faszinierende Schauen für die Besucherinnen konzipieren“, sagt Andreas Beitin. „Dieses Dilemma innerhalb der nächsten Jahre zu lösen, ist sicherlich eine der Hauptherausforderungen für global agierende Museen.“ Auch hat das Kunstmuseum mittlerweile auf 100% Ökostrom umgestellt. Bewusster zu leben und zu verbrauchen – das spiegelt sich auch im Catering wider, indem vornehmlich auf regionale Produkte zurück- gegriffen wird, was zudem lokale Anbieterstärkt. Auf Fleisch wird bei Veranstaltungen des Museums weitgehend verzichtet, gerade auch um beispielsweise die Produktion von Rindfleisch zweifelhafter Herkunft wie aus Südamerika, für das große Teile des Regenwaldes illegal gerodet werden, nicht zu unterstützen.

Zudem hat das Kunstmuseum bereits vor mehr als zwanzig Jahren das mobile und modulare Stellwandsystem wob³walls entwickelt, das mittlerweile weltweit exportiert wird, u. a. in die USA, nach Japan und in zahlreiche europäische Orte, so zuletzt nach Oslo für den Neubau des Munch Museums. Das Stellwandsystem ist nahezu unbegrenzt wiederverwendbar und schont damit nachhaltig Umwelt und Ressourcen.

Auch der 25 Jahre alte Museumsbau soll auf Nachhaltigkeit hin geprüft und verbessert werden. Das Kunstmuseum ist hierzu im Gespräch mit Energieversorgern der Region; die Klimatechnik soll so angepasst werden, dass der Verbrauch nachhaltig reduziert wird. Ein Wechsel zu einer kompletten LED-Beleuchtung ist geplant und das Museum untersucht derzeit, inwieweit es möglich ist, auf den freien Dachflächen Photovoltaik-Anlagen zu installieren, um vor allem im Sommer die Verbrauchsspitzen zu kappen. Eine der größten Herausforderungen ist, dass Ausstellungsräume und Depots klimatisiert werden müssen, um den nach internationalen Standards festgelegten Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerten zu entsprechen. Museen kommen dadurch ihrer Hauptaufgabe nach, Kunst- und Kulturgut für die Nachwelt zu erhalten. Gleichzeitig ist es für Museen damit nahezu unmöglich, in diesem Bereich ihren CO2-Footprint zu verkleinern. Unter der Überschrift „Wir brauchen einen ‚Green New Deal‘ für Museen“ haben zahlreiche Museumsdirektorinnen der deutschen Museumslandschaft am 7. November 2019 einen offenen Brief an die Kulturstaatsministerin Monika Grütters unterschrieben, initiiert und veröffentlicht vom Kunstmagazin Monopol. Darin fordern die Unterzeichnerinnen, darunter auch das Kunstmuseum Wolfsburg, eine zentrale Taskforce, die sich einzig den klimapolitischen Herausforderungen in Museen und anderen öffentlichen Ausstellungshäusern widmet. „Nur gemeinsam und mit Unterstützung aus der Politik, von Städten und Kommunen, lassen sich die Klimaziele auch für Museen umsetzen“, so Andreas Beitin.