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Kultur

Ein Bauernhof-Atelier in Ölper

Zwischen Himalaya und Alpen

Von Jochen Hotop

Mein Almtraum“ aus der Serie Himalaya, 2018, 120 X 160 cm, Öl auf Leinwand. (Fotografie: Jochen Hotop)

Heide Lühr-Hassels wurde in Salzgitter geboren, lebte und arbeitete viele Jahre in Berlin, bis sie 1978 nach Braunschweig kam.

Heide Lühr-Hassels hat ihr Atelier in einem alten Bauernhof in Braunschweig-Ölper. Ihre Reisen etwa zum Himalaya und in die Alpen liefern viele Inspirationen für ihre Bilder, die sie fast ausschließlich in Öl malt. Ein Querschnitt ihres Schaffens der letzten 30 Jahre war kürzlich im Städtischen Museum Schloss Salder in Salzgitter zu sehen, neben einigen abstrakten Farbfeldmalereien viele Bilder aus den Himalayaund Alpenserien, zuletzt farbenreiche Blumenkompositionen, auch inspiriert durch ihren Bauerngarten.

Eines der zum Teil großformatigen Motive zeigt die mächtige Kulisse des Himalaya, darunter Farbklänge von Almwiesen, dargestellt in einer farblichen Harmonie wie wohl nur ein Künstler die Landschaft zu sehen vermag. Die Blumenmotive, bei denen Blütenblätter verspielte Formationen bilden, sind von starker Intensität und Leuchtkraft. Heide Lühr-Hassels malt nicht unmittelbar nach der Natur, eher wandelt sie in abstrakter Form erlebte Eindrücke aus der Erinnerung um.

Anerkennung findet Heide Lühr-Hassels aber nicht nur als Landschafts-, sondern auch als Portraitmalerin. So erhielt sie den Auftrag, 11 Stadtoberhäupter von Salzgitter zu portraitieren. Die Bilder haben heute ihren Platz im Städtischen Museum Schloss Salder.

Der Bauernhof, auf dem sie mit ihrem Mann lebt und der außer Hühnern nicht mehr bewirtschaftet wird, bietet viele stille Winkel. Ideale Plätze für Aktzeichnungen. Dort sitzen dann Aktmodelle zwischen uraltem Ackergerät und scharrenden Hühnern.

Wer Heide Lühr-Hassels auf ihrem Bauernhof besucht, ist ohnehin überrascht, dass sie neben ihrem eigentlichen Atelier im ersten Stock des Hauses, auch im Erdgeschoss und den Nebengebäuden so manche Räume zum Malen und als Galerie nutzt, etwa den Übergang vom Wohn- haus zum ehemaligen Pferdestall. Besucher sind ihr nach vorheriger Anmeldung jederzeit willkommen.

Was sind die Quellen ihres Schaffens? Der Lebensweg, die vielfältigen Eindrücke der Natur, auch das Leben auf dem Bauernhof habe sie geformt, betont sie. Durch die Größe des Anwesens seien automatisch auch ihre Bilder größer geworden.

Welche Farbe ist ihr am Nächsten? Das sei einem ständigen Wandel unterworfen. Während sie derzeit die intensive Farbigkeit der Motive in den Vordergrund rückt, seien es früher eher die Erdfarben gewesen. »Auch ein Grau kann ganz schön farbig sein«, sagt sie.

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Stadtglanz Print-Ausgabe 10 / Dezember 2018.