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Lifestyle

8. April 2021

Ein Interview mit Ridle Baku

Ich möchte zeigen, dass ich nicht nur Fußball spielen kann

Von Tobias Bosse

(Fotografie: VfL Wolfsburg, privat)

Ridle Baku spielt zwar erst seit einigen Monaten für den VfL Wolfsburg, ist aber bereits kaum mehr aus der Startelf wegzudenken. Die Entwicklung des 22-Jährigen ist auch Bundestrainer Joachim Löw nicht verborgen geblieben, der Baku im November 2020 zu seinem ersten Länderspiel einlud. Im großen Stadtglanz-Interview zeigt sich der Shootingstar sehr reflektiert und zielstrebig für sein junges Alter – schließlich gehört er noch zur Generation Z. Im Gespräch mit Tobias Bosse gibt Baku tiefe Einblicke in sein Privatleben, erklärt, weshalb für den Wechsel nach Wolfsburg ein Angebot aus München ausschlug sowie warum Leon Goretzka und Joshua Kimmich Vorbilder für ihn sind.

Moin Ridle, du bist vor einigen Monaten nach Wolfsburg gezogen, wie ist dein Eindruck von der Stadt?

Baku: Vor dem Lockdown hatte ich die Gelegenheit, mich etwas umzusehen. Das eine oder andere Restaurant habe ich auch schon von innen gesehen. Das VW-Werk habe ich leider noch nicht besichtigen können, aber das hole ich definitiv nach, wenn sich die Beschränkungen etwas lockern – denn das finde ich schon sehr beeindruckend. Tatsächlich verbringe ich die Zeit neben Training und Spiel aber auch sehr gerne Zuhause.

Das heißt, du hast bereits eine Wohnung gefunden?

Baku: In den ersten zwei Monaten habe ich noch im Hotel geschlafen, bin jetzt aber sehr glücklich, eine eigene Wohnung relativ nah am Stadion zu haben.

Wie verbringst du deine Freizeit in den eigenen vier Wänden – bist du eher der Serienjunkie oder Zocker?

Baku: Ich schaue tatsächlich sehr viel Fußball. Hin und wieder gucke ich aber auch gerne Serien. Zocken tue ich hingegen so gut wie überhaupt nicht.

Welche war die letzte Serie, die du gesehen hast?

Baku: Lupin auf Netflix.

Wie sieht’s mit Musik aus?

Baku: Da bin ich sehr breit aufgestellt. Von Hip-Hop und R'n'B über Dutchmusik bis Französisch höre ich Vieles sehr gerne.

Dutchmusik auch?

Baku: Ja, finde ich mega!

Hörst du das dann auch auf dem Weg zum Training oder Spiel in deinem Auto?

Baku: So ist es.

Was für ein Auto fährst du?

Baku: Einen VW Touareg.

Hängt wahrscheinlich mit dem Arbeitgeber zusammen … Sind dir Statussymbole denn wichtig?

Baku: Puh, bis vor ein paar Jahren schon. Heute bin ich womöglich etwas reifer geworden und nutze den Wagen eigentlich hauptsächlich zweckmäßig.

Das heißt, du cruist jetzt nicht mehr durch die Fußgängerpassage und machst den Showoff?

Baku: (Lacht) Nee, das muss nicht sein.

Für was gibst du sonst dein Geld aus, wenn du dir eine Freude machen willst?

Baku: Für Klamotten. Es ist mir auf jeden Fall wichtig, gut gekleidet zu sein.

Was genau trägst du so?

Baku: Palm Angels, Balenciaga, Alexander McQueen – so in die Richtung. Sneaker sind mir auch wichtig.

Tätowierungen sind aber eher nicht deins?

Baku: Bislang nicht, nein. Kommt vielleicht noch, wer weiß.

Bist du denn eher der Sparfuchs, der auch mal was zur Seite legt oder eher der Lebemann, der alles raushaut?

Baku: Ich glaube, da bin ich ganz normal. Klar verdienen Profi-Fußballer mehr als der Durchschnitt, aber wenn ich dann schon 5 oder 6 Paar Schuhe habe, dann brauche ich nicht noch das 7. oder 8. Ich bin auf jeden Fall nicht der Freund davon, das Geld einfach nur auf den Kopf zu hauen. Ich nutze mein Geld dann eher sinnvoll, wie im Urlaub beispielsweise. Da kann man sich auch mal was gönnen.

Aber wie fühlt sich das an, wenn man als 22-Jähriger für 10 Millionen Euro gekauft wird und auf einmal ein Preisschild trägt?

Baku: Es ist auf jeden Fall neu für mich. Selbstverständlich sind an meine Verpflichtung auch gewisse Hoffnungen geknüpft, aber ich mache mir deshalb keinen Druck. Ich bin da ziemlich entspannt.

Wie bewertest du die Entwicklung von Ablösesummen im Fußball generell, ist das noch verhältnismäßig?

Baku: Selbstverständlich beobachte ich das auch. Wir Fußballspieler sind ohnehin schon privilegiert. Aber wenn du dann hörst, dass ein Neymar für 222 Millionen Euro wechselt, lässt es einen schon zweifeln, ob diese Summen noch gerechtfertigt sind. Es gibt auf der Welt so viele Krisengebiete und Menschen, denen es deutlich schlechter geht als uns.

Das heißt, du machst dir in deinem Alter durchaus Gedanken zu diesen komplexen Themen?

Baku: Absolut. Ich möchte mich hier nicht nur als Fußballspieler weiterentwickeln, sondern auch als Mensch. Da habe ich ebenfalls große Ziele und Erwartungen an mich.

Welche sind das genau?

Baku: Vorbilder sind beispielsweise Leon Goretzka und Joshua Kimmich, die „We Kick Corona“ ins Leben gerufen haben, sich gesellschaftlichen Problemen annehmen und diese anpacken. Damit kann ich mich sehr gut identifizieren. Ich möchte zeigen, dass ich nicht nur Fußball spielen kann, sondern auch anderen Menschen helfen und positive Veränderung bewirken kann. Das ist ein Weg, den ich einschlagen will.

Hast du da schon etwas Konkretes im Kopf, in welche Richtung du dich engagieren möchtest?

Baku: Das Thema Rassismus ist mir sehr wichtig.

Hast du damit denn Erfahrungen gemacht?

Baku: Ich persönlich nicht. Es ist eher so, dass ich das aus der Ferne beobachtet und mich auch selten dazu geäußert habe. Das werde ich in Zukunft häufiger machen, weil man als Fußballer eine gewisse Reichweite und Vorbildfunktion hat, die dafür genutzt werden sollte, um auf solche Probleme aufmerksam zu machen. Da möchte ich meinen Beitrag leisten.

Wenn es um Reichweite geht, hängst du den Kollegen Kimmich und Goretzka allerdings ein gutes Stück hinterher – zumindest auf Social Media. Weshalb bist du nicht so aktiv in den sozialen Netzwerken?

Baku: Ich weiß, dass viele Fußballer das auch eher von Agenturen machen lassen (lacht). Ich halte mein Privatleben ganz gerne privat. Die sozialen Medien sind auch nicht wirklich meine Welt.

Du hast einen langfristigen Vertrag beim VfL Wolfsburg unterschrieben und warst vorher mehr als 12 Jahre in Mainz. Sind dir Integrität und Treue wichtig?

Baku: Sehr wichtig sogar. Ich hätte auch in der Jugendzeit sowie danach wechseln können, aber das wollte ich nicht. Ich wollte immer loyal und mit dem Verein verbunden bleiben. Ich kann mich auch jetzt sehr gut mit dem VfL Wolfsburg identifizieren. Ich weiß, dass es durch VW eine sehr große Strahlkraft und Verbundenheit gibt – davon möchte ich gerne ein Teil werden.

Es gab ja auch Gerüchte, dass der FC Bayern München Interesse an einer Verpflichtung von dir hatte. Stimmt das?

Baku: Das war auch der Fall, aber ich hatte mich frühzeitig für den VfL entscheiden.

Was war für dich ausschlaggebend für Wolfsburg?

Baku: In erster Linie wollte ich mich in der Bundesliga etablieren. Da hat Wolfsburg höhere Ambitionen als Mainz und will immer um die vorderen Plätze mitspielen. Das kommt mir natürlich entgegen. Zudem habe ich hier – vor allem als junger Spieler – hervorragende Rahmenbedingungen, die man so auch nicht bei jedem Bundesligaverein vorfindet. Ich denke auch, dass ich hier die Zeit bekomme, mich weiterzuentwickeln. Deshalb habe ich auch so langfristig unterschrieben.

Du wirkst sehr fokussiert und zielstrebig für dein Alter. Mit wem tauscht du dich über solche Entscheidungen aus?

Baku: Vor allem mit meinem Zwillingsbruder. Mit ihm kann ich wirklich über alles reden, wir tauschen uns ständig aus.

Du hast ja auch lange mit deinem Zwillingsbruder zusammen bei Mainz gespielt, bis er dann vorzeitig zu Sonnenhof-Großaspach gewechselt ist. Ist das ein Traum von euch, noch mal gemeinsam auf dem Platz zu stehen?

Baku: Klar. In den nächsten Jahren wird das aber wohl erstmal schwierig. Vielleicht können wir aber am Ende der Karriere nochmals zusammen spielen. Das wäre überragend und ein perfektes Karriereende.

Zunächst willst aber noch einiges erreichen im Fußball. Was verfolgst du für langfristige Ziele?

Baku: Langfristig will ich mich natürlich auch auf dem inter­nationalen Parkett beweisen und erfolgreich sein, sodass ich irgendwann mal bei einem absoluten Top-Klub spielen kann. Das wäre ein absoluter Traum, der dann in Erfüllung gehen würde.

Woran musst du dafür noch arbeiten?

Baku: Da sind viele Dinge. Als junger Spieler habe ich in vielen Bereichen noch Entwicklungspotenzial. Wo genau, müssen andere Leute beurteilen.

Und privat?

Baku: Mir wird sehr oft gesagt, dass ich zu fußballbesessen bin und öfters mal abschalten müsste.

Wirkt sich diese Besessenheit bei Niederlagen oder schlechten Leistungen denn auch negativ auf dein Privatleben aus?

Baku: Es nervt mich schon sehr, wenn ich verliere. Da braucht man im besten Fall einen Lebenspartner, der auch Verständnis dafür hat.

Hast du so jemanden zuhause?

Baku: Ja. Ich spreche oft mit meiner Freundin über Fußball. Für sie ist es dann manchmal zu viel, was ich auch nachvollziehen kann. Ich bin da auch sehr emotional. Hin und wieder brauche ich schon ein bis zwei Tage, um mit Niederlagen fertig zu werden und diese zu verarbeiten. Sie respektiert das aber voll und ganz.

Wie lange seid ihr zusammen?

Baku: Wir sind etwas mehr als ein Jahr zusammen.

Und schon mit der Familienplanung begonnen?

Baku: Gedanken habe ich mir dazu natürlich schon gemacht. Auf jeden Fall ist Wolfsburg familienfreundlicher als Mainz.

Dein Vater soll ja ein großer Fan der Deutschen Nationalmannschaft gewesen sein und hat dich (Ridle) sowie deinen Bruder (Rudi) nach seinen Lieblingsstürmern Karl-Heinz Riedle und Rudi Völler benannt. Wie prägend war er für deinen Weg zum Fußballprofi?

Baku: Er war immer Wegbegleiter, hat uns zum Training gebracht oder auf den Bolzplatz. Er guckt sich auch heute noch alle Spiele an und gibt mir Tipps, was ich verbessern kann.

Gibt es denn eine Verbindung zu Karl-Heiz Riedle?

Baku: Nicht direkt, aber ich habe mal mit ihm gesprochen.

Ach echt, was hat er gesagt?

Baku: Dass er meine Entwicklung verfolgt und ich das bis jetzt ganz gut mache.

Sehr cool. Wie hat denn dein Vater reagiert, als er erfahren hat, dass du Deutscher Nationalspieler geworden bist?

Baku: Meine Eltern haben es tatsächlich aus den Medien erfahren. Ich habe es ihnen erst im Nachhinein erzählt. Als sie mich dann haben spielen sehen, waren sie unglaublich stolz. Das hätten sie sich nie erträumen können, dass das mal in Erfüllung ging.

Wie ist da so die Atmosphäre als neuer Spieler in der Nationalmannschaft?

Baku: Viele Spieler kannte ich ja schon. Dementsprechend war der Empfang super und die Jungs sehr aufgeschlossen. Ich habe mich auf jeden Fall sofort wohlgefühlt und war sehr stolz darauf, ein Teil davon zu sein.

Du gehörst ja im Gegensatz zu einigen deiner Kollegen zur jüngeren Generation Z. Nimmst du diesbezüglich Unterschiede war?

Baku: Nicht wirklich. In der Bundesliga stehe ich regelmäßig mit jüngeren Spielern auf dem Platz, da sehe ich mich im Grunde auch nicht mehr als junger Spieler, sondern eher auf dem Weg zu einem gestandenen Bundesligaspieler.

Und als solcher hast du dir auch schon Pläne über die Zeit nach der aktiven Karriere gemacht?

Baku: (Schmunzelt) Noch nicht so richtig. Ich hoffe erstmal, dass ich so lange wie möglich Fußball spielen kann und mich dann peu à peu in das „normale“ Berufsleben integriere.

Das heißt, einen Plan B, wenn es mit dem Profifußball nicht geklappt hätte, gab es nie?

Baku: Nicht wirklich. Ich habe mich frühzeitig für den Weg zum Profifußballer entschieden und bin auf jeden Fall nach wie vor sehr glücklich, mich dafür entschieden zu haben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Stadtglanz Print-Ausgabe 18 / März 2021.

Tobias Bosse

Mein Name ist Tobias Bosse, aber Sie können mich gerne Bosse nennen. Anders als mein deutlich populärerer Namensvetter verdiene ich meine Brötchen jedoch nicht mit Musik – da wäre wohl auch nichts zu holen für mich. Nein, ich bin Redakteur und zwar vornehmlich für Sport. Womöglich ist Ihnen meine Sport­talkshow „Löwenrunde“, die ich vor knapp sieben Jahren mit einem Partner ins Leben rief, bekannt. Anschließend absolvierte ich eine redaktionelle Ausbildung bei der Braunschweiger Zeitung, war als Reporter für die Zentralredaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung unterwegs und schreibe heute für die DVZ – Deutsche Verkehrs-Zeitung.