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Lifestyle

Ein kleines Wort mit einer großen Wirkung: DANKE.

Dankbarkeit als elementarer Teil des Lebens

Von Mahsa Amoudadashi

(Fotografie: Pexels by pixabay)

Warum werden Dinge, die wir tun oder erfahren, sehr oft und sehr schnell zur Normalität und manchmal sogar zur Selbstverständlichkeit?

Häufig entwickeln sich Gesten oder Taten, die wir das erste Mal ausüben oder mit denen wir das erste Mal überrascht werden, sogar mit der Zeit zur absoluten Erwartungshaltung.

Mehrfach erzählten mir Freunde, die einen neuen Job begannen, wie begeistert sie vom wöchentlichen Obstkorb im Büro seien. Doch diese Begeisterung flachte sehr schnell ab. Denn dieser Obstkorb wurde irgendwann für sie alle zur absoluten Selbstverständlichkeit. Das Besondere wurde zur Normalität – und das ist schade.

Natürlich werden wir uns nicht täglich für den Obstkorb begeistern können, aber wir sollten uns immer wieder bewusst machen, dass das eben nicht selbstverständlich ist und dem „Verantwortlichen“ gegenüber unsere Dankbarkeit dafür hin und wieder sichtbar und spürbar machen. 

Ich bin gebürtige Iranerin (meine Mutter besteht darauf, dass ich Perserin sage). Als ich ein Jahr alt war, floh meine Mutter mit meiner Schwester und mir nach Deutschland. Sie wurde politisch verfolgt. In Deutschland aufzuwachsen war für mich selbstverständlich. An den Iran konnte ich mich nicht erinnern. Nach 15 Jahren trauten wir uns das erste Mal in den Iran zu reisen. Ich lernte das erste Mal mein Geburtsland kennen. Der Iran ist ein wunderschönes Land, mit einer großen Geschichte und herzlichen Menschen. Was ich das erste Mal in meinem Leben hautnah erlebte, war in meiner Freiheit eingeschränkt zu werden. Ich musste ein Kopftuch tragen, im Bus hinten sitzen und sollte in der Öffentlichkeit nicht zu laut lachen. Meine gleichaltrigen Verwandten haben mich nach den für mich normalsten und selbstverständlichsten Dingen durchlöchert...wie es sei auf eine Schule mit Jungs zu gehen? Ob Kinofilme zensiert werden? Ob wir anziehen dürfen was wir möchten? Die Musik hören dürfen, die wir mögen?

Das erste Mal in meinem Leben wurde mir bewusst, dass all diese Dinge für mich selbstverständlich sind aber für viele andere Menschen – wie die Menschen aus dem Iran – nicht. Und ich fing an dankbar dafür zu sein, in einem Land leben zu dürfen, in dem ich denken darf was ich möchte, sagen darf was ich möchte, tragen darf was ich möchte und der Mensch sein darf, der ich sein möchte.

Ich glaube fest daran, dass Dankbarkeit uns glücklicher werden lässt. Aus meiner Sicht könnte das sogar die Basis für Glück sein. Denn Dankbarkeit löst manchmal auch ein Gefühl der Zufriedenheit aus. Nach meiner ersten Reise in den Iran war ich extrem dankbar für all die Dinge, die vorher die absolute Selbstverständlichkeit waren. Das Problem - nach kürzester Zeit habe ich bemerkt, wie dieses Gefühl der Dankbarkeit verblasst und ich langsam aber sicher wieder anfange auf hohem Niveau zu jammern. Und ich merkte, wie sich manchmal sogar gedanklich bei den Dingen war, die ich nicht besaß, nicht konnte, nicht schaffte...

Und in diesem Modus fällt es uns schwerer zufrieden und glücklich zu sein. Deshalb sollten wir im ersten Schritt damit beginnen Dankbarkeit zu trainieren. Wir sollten uns immer wieder vor Augen führen, was nicht selbstverständlich ist. Ein Tipp meinerseits – um Dankbarkeit zu „trainieren“: Das Dankbarkeits-Tagebuch: Regelmäßig notieren, für was ihr dankbar seid. Im besten Fall täglich.

Tatsächlich gibt es mittlerweile Studien, die belegen, dass Dankbarkeit die molekulare Struktur unseres Gehirns positiv verändert.

Laut dem Mindful Awareness Research Center (MARC) der UCLA kann uns das regelmäßige Ausdrücken von Dankbarkeit gesünder und auch glücklicher machen. Denn wenn wir glücklich sind, beanspruchen wir unser zentrales Nervensystem.

Robert Emmons erforschte ebenfalls das Thema der Dankbarkeit. In seiner Studie teilte er Probanden in drei Gruppen auf. Die erste Gruppe sollte zehn Wochen lang ein Dankbarkeits-Tagebuch führen, also notieren wofür sie dankbar sind. Die zweite Gruppe bekam die Aufgabe, aufzuschreiben, was in der jeweiligen Woche nicht gut gelaufen ist und die letzte Probandengruppe sollte ganz neutral über die Erlebnisse reflektieren.

Die Probanden aus der ersten Gruppe, also die, die das Dankbarkeits-Tagebuch führten, wiesen bei den psychologischen Befragungen messbar mehr Optimismus auf als die Probanden der anderen beiden Gruppen. Sie verspürten mehr Lebensfreude und fühlten sich vitaler. Körperliche Symptome wie Kopfschmerzen oder Muskelverspannungen hatten sich reduziert. Sie schliefen besser und länger und gingen deutlich seltener zum Arzt. Auch auf ihre Fitness hatte dieser Versuch einen Einfluss, sie war besser geworden, denn die Probanden trieben messbar mehr Sport als die Vergleichsgruppen.

Im privaten Alltag ist es nicht anders als im beruflichen – beispielsweise unter Freunden, innerhalb der Familie und auch in der Partnerschaft. Selbstverständlich wünschen wir uns auch hier Dankbarkeit, auch für die kleinen, alltäglichen Dinge.

Mein Mann hat ein wundervolles Ritual eingeführt. Nach jeder Vortragsreise stehen Blumen für mich auf dem Wohnzimmertisch. Denn er weiß, dass ich Blumen liebe. Würde ich auf diese liebevolle Geste keinerlei Reaktion mehr zeigen und die Blumen als absolute Selbstverständlichkeit sehen, dann – und ich bin mir ziemlich sicher – würde es nicht mehr lange Blumen für mich geben.

Wir können uns grundsätzlich merken: Dankbaren Menschen tun wir viel lieber eine Freude oder einen Gefallen. Und unsere Dankbarkeit auszusprechen, kostet nichts, hält uns selbst nachweislich gesund und löst ein extrem positives Gefühl bei unseren Mitmenschen aus.

Mahsa Amoudadashi

Absolvierte nach ihrem Abitur eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im renommierten Schindlerhof in Nürnberg. Dem Tagungshotel blieb die gebürtige Iranerin nach ihrer Ausbildung in einem deutschlandweit einzigartigen Beruf erhalten: Der Geschäftsführer Klaus Kobjoll ernannte sie zur Herzlichkeitsbeauftragten. Mahsa Amoudadashi entschied sich für ein Studium der Wirtschaftspsychologie und ist heute nicht nur eine wichtige Mitarbeiterin von Communico, sondern auch eine gefragte Rednerin. Ihre Vorträge präsentieren die Arbeitswelt aus Sicht einer Mitarbeiterin. So zeigt sie mit ihrer herzlichen Art, wirtschaftspsychologisch fundiert und mit vielen Praxisbeispielen auf, wie wichtig Mitarbeiterbegeisterung ist und wie sie im Herzen entsteht.