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Lifestyle

Foodsharing Braunschweig

Lebensmittel vor der Tonne retten

Von Anna Charlotte Groos

Lena Herschelmann bei der Abholung auf dem Braunschweiger Altstadtmarkt. Fotografie: Anna Charlotte Groos

Es ist ein Samstagvormittag, kurz vor Marktschluss auf dem Altstadtmarktplatz in Braunschweig. Lena bahnt sich ihren Weg durch die Mengen, auch sie hat zwei große Tüten dabei. Doch sie ist heute nicht zum Einkaufen hergekommen. Ihr erstes Ziel: Ein lokaler Gemüsehändler. „Ich bin vom Foodsharing“, ruft Sie ihm zu, als er sie erblickt. Er winkt sie zur Seite – dort hat er schon vier voll befüllte Kisten für sie bereitgestellt. Champignons, Zwiebeln und auch Paprika ist dabei. Schnell befüllt sie ihre Taschen damit, sie muss sich beeilen. Auch drei andere Händler, darunter auch eine Bio-Bäckerei, warten auf sie.

Lena ist Foodsaverin – sie rettet Lebensmittel davor, weggeworfen zu werden.

Allein in Deutschland werden jedes Jahr insgesamt 13 Millionen Tonnen Lebensmittel entsorgt. Dabei sind die großen Abfallmengen nicht nur aus ethischer Sicht ein Problem. Auch die Ökonomie und Umwelt muss die Konsequenzen tragen. Etwa 30 Prozent der weltweit verfügbaren Anbauflächen von Lebensmitteln sowie auch Rohstoffe wie Wasser und Energie werden durch das Entsorgen von Lebensmitteln verschwendet. Und auch für den starken CO2-Anstieg sind die großen Abfallmengen mitverantwortlich.

Lena: „Ich bin seit etwa 2,5 Jahren dabei und engagiere mich auch im Organisationsteam bei unserer    Foodsharing-Gruppe. Dort stelle ich unter anderem auch den Kontakt zu sozialen Einrichtungen her, denen wir Essen liefern. Aber auch privat nutze ich die abgeholten Lebensmittel – meine WG freut sich immer, wenn ich etwas mitbringe. Ich finde es einfach wichtig, dieser großen Lebensmittelverschwendung entgegen zu wirken.“

Mittlerweile gibt es über 400 Städte in Deutschland, in denen es eine Foodsharing-Gruppe gibt. Die internationale Vereinigung engagiert sich gegen Lebensmittelverschwendung und für ein nachhaltiges Konsum- und Umweltverhalten. Dabei werden nicht nur Unmengen von Lebensmitteln in Privathaushalten in den Müll geworfen, auch der Einzelhandel wie zum Beispiel große Supermarktketten oder Kleinmarktbetreiber sind davon betroffen. Die Gründe für Unternehmen, Lebensmittel entsorgen zu müssen, können vielseitig sein: Verkalkulierte Einkaufsmengen, Überproduktion, saisonale Angebotswechsel, oder Lebensmittel, die sich kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums nicht mehr verkaufen lassen…

Wollen Betriebe dem entgegen wirken, können sie sich bei ihrer lokalen Foodsharing-Initiative registrieren. Die beim Foodsharing angemeldeten Foodsaver können dann die aussortierten, aber noch genießbaren Lebensmittel bei den Einzelhändlern abholen. In Braunschweig gibt es die Foodsharing- Initiative seit etwa seit 5 Jahren. Mittlerweile zählen über 1000 Mitglieder dazu. Neben Lena ist auch die 18-jährige Abiturientin Tetje Groth aus Braunschweig dabei.

Tetje: „Ich finde es schlimm, wie viele Lebensmittel unnötig produziert und dann weggeworfen werden. Bevor es in der Tonne landet, hole ich es lieber ab. Häufig koche ich zum Beispiel auch für Freunde und sensibilisiere sie dabei, dass Essen, das einen Tag abgelaufen ist, nicht gleich schlecht ist.“

Die geretteten Lebensmittel können entweder privat genutzt oder auch mit anderen geteilt werden. Dafür gibt es zum Beispiel auch an der Technischen Universität Braunschweig einen öffentlichen Raum, den sogenannten „Fair-Teiler“, in dem die Lebensmittel abgeholt werden können. Anschließen kann sich der Gruppe jede Person ab 18 Jahren über die Plattform foodsharing.

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Stadtglanz Print-Ausgabe 16 / Oktober 2020.

Anna Charlotte Groos

Anna Charlotte Groos studierte Literaturwissenschaft, Soziologie und Philosophie. Derzeit arbeitet Sie als Redakteurin und Projektmanagerin des Stadtglanz Online-Portals. Neben ihrer Begeisterung für das Reisen, Wandern und Schreiben interessiert sie sich vor allem für Menschen und ihre Geschichten zwischen den Zeilen.