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Wirtschaft

8. Dezember 2020

Green Challenge – Zeit zu handeln

"Wie viel kann uns unsere Zukunft denn wert sein?"

Von Ronja Schwenkler

Homeoffice, keine Schule, Geschäfte zu, keine Freizeitveranstaltungen, Kontaktsperre – was nun? Manche von uns hatten während der Corona-Krise ein ganz neues Problem: zu viel Zeit. Was kann man machen, wenn das öffentliche Leben stillsteht? Raus ins Grüne war die Devise vieler Menschen. Ein beliebtes Projekt war das Hochbeet. Da Supermarktbesuche auf das Nötigste reduziert wurden, war Grünzeug selbst anzubauen eine gute Idee. Und überhaupt, ist es das nicht sowieso? Konventionell angebaute Äpfel beispielsweise werden bis zu 24 Mal gespritzt. Das ist nicht nur unappetitlich, sondern trägt auch zum Artensterben bei. Bio, aus Deutschland, am besten regional, und bitte ohne Plastikverpackung – willkommen zur Einkaufs-Challenge!

Der Corona-Ausbruch bei Tönnies hat uns wieder einmal gezeigt, auf welchem ausbeuterischen System die heutige Fleischindustrie basiert. Sind wir bereit, ein solches System weiter zu unterstützen? Willkommen zur Veggie-Challenge! Eine pflanzenbasierte Ernährung ist nicht nur gesund, sondern spart auch viel CO2. Anstatt Pflanzen an Tiere zu verfüttern, die nur einen Bruchteil der Menge als Fleisch oder Milch zurückliefern, ist es ja viel effizienter, die Pflanzen einfach gleich selbst zu essen bzw. weiter zu verwerten. Man kann z.B. Haferflocken in Wasser pürieren, seiht ab und hat im Handumdrehen leckere Hafermilch, passend zum Müsli. Sojaprodukte, die wir essen, stammen meist aus Europa. Wenn wir dagegen konventionelle Milchprodukte kaufen, kann es sein, dass die Kühe Gensoja aus Südamerika gefressen haben. Für den Anbau von Soja und Ölpalmen werden Unmengen von CO2 in die Luft entlassen, die die Urwaldriesen über Jahrzehnte eingelagert haben.

Wann wird das endlich aufhören?

Die Zerstörung unserer Welt schreitet voran, und wir haben noch keine bedenkenlos praktizierbaren Lösungen, um das CO2 selbst aus der Atmosphäre zu holen. Vielleicht sollten wir erst mal auf der Stelle aufhören, es unnötig freizusetzen. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre wird auch nach Corona weiter ansteigen und mit jedem Bruchteil eines Grades, um das sich die Erde erwärmt, werden die Konsequenzen schlimmer. Der rasante Anstieg des Meeresspiegels bedroht Metropolen wie Hamburg, London, Tokyo und New York. Die Forschung hat schon viele Konzepte für eine grüne Zukunft ausgearbeitet, doch von Seiten der Wirtschaft heißt es immer: lieber weiter wie bisher.

Wie viel kann uns unsere Zukunft denn wert sein?

Sollte man nicht alles tun, um uns vor dem Supergau - einer Welt voller Orkane, Dürren und Hochwasser - zu bewahren? Wenn wir die Wissenschaftler*innen in ihren Erkenntnissen unterstützen und der Politik und Wirtschaft klarmachen, dass uns unsere Zukunft wichtiger ist als Geld und ein überdurchschnittlich hoher Lebensstandard, dann ist es auch möglich. Während der Corona-Beschränkungen haben wir doch gemerkt, dass es nicht Reisen oder Shopping war, das uns am meisten gefehlt hat. Am härtesten hat uns die Kontaktsperre getroffen. Denn Zeit mit Freunden und Familie und die Erinnerung an gemeinsame Erlebnisse ist das, was uns nachhaltig glücklich macht. Wenn wir uns das vor Augen führen, fällt es uns vielleicht leichter, auf manche materiellen Dinge zu verzichten. Während der Corona-Krise war Solidarität mit Risikogruppen ein zentrales Thema. Verhaltet euch selbst verantwortungsbewusst, um andere und euch selbst zu schützen. Könnte man das nicht genauso auf die Klima-Krise anwenden? Willkommen in einer grünen Zukunft!

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Stadtglanz Print-Ausgabe 16 / Oktober 2020.