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Lifestyle

Herzlich Willkommen in Melinas Kopf

„Sei sanft zu dir. Du brauchst Dich noch.“

Von Melina Naumann

(Fotografie: Chris W. Braunschweiger)

Deine Zeit ist kostbar, also verrate ich dir mein Fazit direkt am Anfang: Selbstoptimierung ist unendlich. Mein Beitrag dazu ist es allerdings nicht, er besteht ganz artig und übersichtlich aus einer Einleitung und drei Ankern – also wünsche ich dir an dieser Stelle eine effiziente Unterhaltung. Herzlich Willkommen in Melinas Kopf.

Solltest du gedacht haben, dass man irgendwann damit fertig wird, an sich herum­zumäkeln und zu einem besseren Menschen werden zu wollen, dann kann ich dem zu­stimmen. Allerdings nennt sich dieser Zustand Erleuchtung und solange Du noch nicht erleuchtet bist, musst Du Dich wohl weiterhin jeden Tag mit Deinem Ego prügeln. Wenn Du hier die Überhand behalten willst, brauchst Du Kampferfahrung und die sammelst Du durch Distanz und Reflexion. Und ja, es ist manchmal anstrengend und bei Zeiten führt es auch zu nichts, Situationen Revue passieren zu lassen. Und zwar genau dann, wenn Du Dich im Kreis drehst. Immer wieder dieselben Gedanken und Du bekommst es einfach nicht hin, Dich zu verändern. Wie kann das sein? Jeden Tag dasselbe Spiel. Unfassbar, wie unfähig Du bist, Dich weiterzuentwickeln und die alten Gewohnheiten endlich sein zu lassen. Furchtbar verwirrend, ich weiß. Aber halt – bevor Du jetzt weiterscrollst, weil Du Dich ertappt fühlst, möchte ich Dir etwas zeigen. Es sind drei von meinen Ankern, die mich zurückholen, wenn ich mich selbst kleiner mache, als ich bin und das sind sowieso nur 158 cm. Diese Anker zeigen mir, dass es eine wunderbare Mög­lichkeit ist, zu lernen und sich weiterzuentwickeln und dass man dabei gar keinen Zeitdruck hat, weil die Veränderung fort­während und die Entwicklung unendlich ist. Nun möchte ich die Gelegenheit nutzen, Dich bei der Hand zu nehmen und Dir die Essenz meiner Erfahrungen unter die Nase zu reiben.

Oh, da oben hat er sich bereits eingeschlichen – mein erster Anker „sei sanft zu dir. Du brauchst Dich noch.“ Ich denke, es liegt in dem Geist der Zeit, dass wir ständig das Gefühl haben, an zahllosen Baustellen gleichzeitig herumdoktern zu müssen. Wie soll man da die Ruhe bewahren und allen Anforderungen zugleich gerecht werden? Richtig: Es geht nicht. Sich für viele Dinge zu interessieren, ist gut, aber muss man sie deshalb alle perfektionieren? Nein. Jetzt denkst Du Dir sicher: „Herumklugscheißern kann ja jeder, aber wie bewältigt man diese diversen Anfor­derungen in der Praxis? Man kann ja nicht einfach alles hinwerfen!“ Das ist richtig, aber ich habe gelernt, dass die Illusion von Multitasking nichts als eine Fehlerquelle ist und wenn man täglich eine To-do-Liste hat, die für eine ganze Woche reicht, baut sich stetig mehr Druck auf, weil man die Tage mit dem Gefühl abschließt, nicht genug geleistet zu haben. Man kann sich nur über kleine Erfolge freuen, wenn man sie auch als solche definiert. Wenn man nicht der Verzweiflung oder Stagnation zum Opfer fallen möchte, muss das Tagesziel einfach realistisch bleiben.

Als Kinesiologin (Life Coach) habe ich gelernt, körperliche Leiden als Sprache der Seele zu schätzen. Hier geht man davon aus, dass es sich bei Schmerzen und Krankheiten um Symptome handelt, die in unserem Inneren, also unserem Unterbewusstsein wurzeln. Das ist eine Wissenschaft für sich und ich möchte hier nichts anreißen, was ich nicht beenden kann. Aber wenn ich merke, dass ich in einer Situation Bauchschmerzen bekomme oder sich mein Körper verkrampft, dann beweise ich meinem inneren Kind, dass ich es liebe, indem ich mich nicht dazu zwinge, aufgrund von irgendwelchen Leistungsanforderungen dabei zu bleiben. Sich einer Sache zu entziehen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstbewusstsein. Etwas, was nicht aus Leidenschaft, sondern aus einem Zwang heraus entsteht, wird auch keine süßen Früchte tragen. Die wertvollste Fähigkeit des Menschen besteht in seiner Kreation. Aus „nichts“ „etwas“ zu machen. Die eigenen Gedanken zur Realität werden zu lassen. Wie man etwas Schönes erschafft, habe ich in meinem Mediendesign-Studium gelernt. Wie man etwas Beschissenes sein lässt, musste ich mir selbst beibringen. Der Versuch: Liebe es oder lasse es und wenn Du es nicht lassen kannst, mache parallel etwas anderes, was Du liebst.

Und das bringt mich zu meinem zweiten Anker „Erschaffe, um Dich lebendig zu fühlen. “ Sicher gibt es Dinge, die getan werden müssen und ich habe in meiner selbständigen Tätigkeit als Designerin, in den letzten vier Jahren, schon viele Werke geschaffen, einfach nur um meine Rechnungen bezahlen zu können. Aber neben dem alltäglichen Auftragsgeschäft und den zahlreichen Nebenjobs während des Studiums, suchte ich zunehmend nach dem Beweis eines tieferen Sinns in meinem Tun und Sein, um mich wirklich lebendig zu fühlen. Gefunden habe ich diesen Sinn, als ich das erste Mal Feuer gefangen habe. Damals habe ich einen Dokumentarfilm über das Bewusstsein produziert und bei YouTube veröffentlicht (Der Hummeleffekt – Wie deine Gedanken Realität erschaffen). Da habe ich gespürt, wie sehr es mich stabilisiert, auf meine innere Stimme zu hören und einer tieferen Intention Ausdruck zu verleihen. Für mich ist das ein wesentlicher Aspekt von Selbstoptimierung, denn wenn man nur auf die Anforderungen von außen reagiert, lässt dies keine Rückschlüsse auf die persönlichen Fähigkeiten und den eigenen „Wert“ zu. Denn es ist ein Fass ohne Boden, schlicht weil es unmöglich unnötig ist, den Anforderungen der anderen Personen exakt zu entsprechen. Erst das Agieren lässt das wahre Seelenleben in Erscheinung treten und das Erzeugnis meiner Seele ist für mich der Beweis meines optimalen Selbst. In welcher Form sich das mani­festiert, ist natürlich von Person zu Person unterschiedlich. Für mich bedeutet das, jeden Tag zum Sport zu gehen, um einen klaren Kopf zu bewahren. Zu meditieren, um in die Gegenwart zurückzukehren. Zu tanzen, um meine Emotionen zu kata­lysieren. Jeden Abend meine täglichen Erlebnisse zu reflektieren und die Erkenntnisse in einer persönlichen Sammlung festzuhalten, um den Fortschritt geistigen Wachstums zu dokumentieren. YouTube-­Videos zu machen, um mein Wissen weiter zu geben. Geld zu investieren, um mich äußerlich zu optimieren und dadurch sexy zu fühlen. Und Kinesiologie zu lernen, um meine Klienten zu behandeln und glücklich zu machen. Diese Aktivitäten sind meine Werkzeuge und ich betrachte sie gerne als Schleifsteine meines selbstbestimmten Lebens, die mich Stück für Stück zu einem Diamanten formen. Ich mag diese Metapher, denn man wird vom Leben sowieso geschliffen, aber es steht jedem frei, sich bei der Form der Modelage einzumischen. Das ist die größte Freiheit der aktiven Selbstoptimierung.

Wie man die Seele zum Sprechen bringt? Indem man mal die Klappe hält und ihr zuhört. Der dritte Anker „Klarheit führt zu Erfolg.“ Ich habe erfahren, dass das selbständige und erfolgreiche Dasein einer jungen Frau vor allem mit ihrer mentalen Stabilität steht und fällt. Erfolg ist als Begriff natürlich individuell, allerdings meine ich konkret jenen, welcher automatisch als Folge aus einer verständnisvollen Selbstliebe resultiert. Wenn man es schafft, aus dieser Position heraus nachhaltige Entscheidungen für das eigene Leben zu treffen, dann gleicht diese Absicht dem Auftrag einer liebenden Mutter gleicht, die ihrem Kind schenkt, was es zum Wachsen braucht und ihm verwehrt, was ihm schadet. Wenn ich mich selbst aus dieser liebevollen, aber distanzierten Position heraus betrachte, dann schaffe ich es auch, in emotionalen Situationen Klarheit zu bewahren und so wird der Erfolg zum natürlichen Resultat dieses kontinuier­lichen Selbst-Bewusstseins. Wenn wir lernen, uns selbst zu vertrauen, dann wissen wir auch, dass wir darauf bauen können, also dass wir unser eigenes Dasein kreieren können, ganz gleich welche Form es auch annehmen soll.

Was will das Ego noch anrichten, wenn ich diese drei Waffen habe? Sanftmut, Kreativität und Klarheit. Einatmen. Ausatmen. Weiter machen!

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Stadtglanz Print-Ausgabe 15 / April 2020.