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Kultur

8. März 2021

SERIENJUNKIE

Die Empfehlung für einen Serienmarathon

Von Christine Grän

(Fotografie: © Netflix)

AND THE OSCAR GOES TO

DEVS (Sky/ 1 Staffel á 8 Folgen)

Nahe San Francisco, inmitten von dichten Wäldern steht die riesige Skulptur eines kleinen Mädchens. Und das Hauptquartier von Amaya, einer High-Tech-Firma. Dessen CEO Forester hat Frau und Kind bei einem tragischen Autounfall verloren. Software-Entwicklern Lily Chan verliert ihren Liebhaber und Kollegen, und sie glaubt nicht an seinen Selbstmord. Lily forscht nach und gerät an DEVS, ein geheimes Programm über Macht und Möglichkeiten eines Quantencomputers. Autor, Regisseur und Produzent Alex Garland (The Beach, Ex-Machina und Auslöschung) erzählt eine phantastische Geschichte in irrwitzigen Bildern und mit einer Frage, die bleibt: Kann der Mensch mit Hilfe der Quantenmechanik Leben und Tod überlisten?

DU HAST KEINE CHANCE, ALSO NUTZE SIE

Catch-22 (Amazon-Prime, 1 Staffel á 6 Folgen)

George Clooney hat den Bestseller Joseph Hellers von 1961 über den Irrsinn des Krieges verfilmt und spielt selbst mit als verrückter Leutnant, der seine Leute verheizt. Wir sind in Italien in den letzten Wehen des II. Weltkrieges: Ein US-Luftgeschwader, in dem Captain Yossarian zusehen muss, wie seine Freunde nach und nach vom Feind abgeschossen werden. Also setzt er alles daran, zu überleben und spielt den Verrückten. Nur leider ist der Krieg noch viel irrer als Yossarian. Und da gibt es diese Regel - Catch-22. Eine Kriegssatire vom Feinsten in der perfekten Mischung aus Komödie und Tragödie.

HIGH SOCIETY TRIFFT HINTERWÄLDER

Schitt’s Creek (Amazon-Prime,  1. Staffel mit 13 Folgen a 2,91 Euro nur Englisch)

Der Videotheken-Magnat Johnny Rose wird von der Steuer gepfändet und verliert sein gesamtes Vermögen. Ihm und seiner Familie bleibt nur ein kleiner Ort in der Pampa, den Johnny einst als Gag gekauft hatte: Schitt’s Creek. Also ziehen Johnny, seine Frau Moira Rose, Hipstersohn David und Societygirl Alexis genau dorthin und geraten an Menschen, mit denen sie bisher noch nie Kontakt hatten. Das könnte Klamauk werden, ist aber richtig komisch. Zu Recht hat die Serie bei der diesjährigen Emmy-Verleihung sieben große Comedy-Preise abgeräumt. Die kanadische Humor-Bombe soll es bald auch auf Netflix geben. Hoffentlich alle der sechs produzierten Staffeln.

KARLA UND DER TOD

Das letzte Wort (Netflix, 1 Staffel á 6 Folgen)

Anke Engelke ist ein komödiantisches Naturtalent, doch in dieser Serie muss sie auch ernst können. Denn Karla Fazius verliert ihren Ehemann, der während der Feier zur Silberhochzeit stirbt. Erst nach seinem Tod entdeckt sie, dass er heimlich ein Atelier hatte, mehr malte als in der Zahnarztpraxis war, und dass die Familie pleite ist. Und noch etwas findet Karla heraus: Sie hat eine Begabung zur Trauerrednerin. Also überredet sie den Bestatter Boroski, sie zu beschäftigen - und daraus entwickelt sich eine erstaunlich gelungene Melange aus Tragödie und Komödie. „Six Feet Under“ war besser, aber für eine deutsche Dramedy ist „Das letzte Wort“ schon ziemlich gut.

SIE KOMMEN NICHT IN DEN HIMMEL,ABER SCHON ZIEMLICH WEIT

Good Girls (Netflix, 3 Staffeln á 10 Folgen)

Die amerikanischen Vorstadt-Frauen Beth, Annie und Ruby haben viele Probleme, aber vor allem eines: Geldmangel. Beth Boland, gespielt von der wundervollen Christine Hendricks, will außerdem ihren untreuen Ehemann verlassen, also fasst sie den Plan, dass die drei einen Supermarkt überfallen. Mit Spielzeugpistolen, doch der Coup gelingt bis auf einen Zeugen, der nun sehr lästig wird. Und so führt eins zum anderen, bis auch noch der gemeine, aber nicht unattraktive Gangster ins Spiel kommt und das Trio zur Geldwäsche zwingt. Es gibt für sie keinen Weg zurück …aber hoffentlich bald die vierte Staffel.

Christine Grän

wurde in Graz geboren und lebte in Berlin, Bonn, Botswana und Hongkong, bevor sie nach München zog. Die gelernte Journalistin wurde durch ihre Anna-Marx-Krimis bekannt, die auch verfilmt wurden. Sie veröffentlichte unter anderem die Romane „Die Hochstaplerin“, „Hurenkind“ und „Heldensterben“. Zuletzt erschienen „Amerikaner schießen nicht auf Golfer“, „Sternstraße 24“ und „Glück am Wörthersee“ im ars vivendi Verlag.