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Y-JOBS

Vom Elektrohandel zum Weltmarktführer

Strategien für die Zukunft

Von Annika Lüders

(Fotografie: Möhlenhoff GmbH, Salzgitter)

Salzgitter Salder ist alles andere als eine Metropole, sondern begrüßt uns mit Kirche, Schloss und knapp 1.500 Einwohnern als kleiner Ort mit sehr dörf­lichem Charakter. Eine Assoziation mit den Begriffen „international“ und „Wirtschaftsstandort“ stellt sich nicht automatisch ein. Und doch sind wir hier, um einen Weltmarktführer kennenzulernen: die Firma Möhlenhoff.

Wir treffen uns mit den beiden Geschäftsführern Frank Geburek und Dr. Jörg Teunissen und der Bereichsleiterin Personal, Cornelia Küster.

Ein Blick auf die Anfänge

1951 gründete Hellmuth Möhlenhoff ein kleines Geschäft für Elektrogeräte in Salzgitter Salder. Mit unternehmerischem Gespür und Weitblick machte die Familie 1983 dann den entscheidenden Schritt und richtete sich mit Stellantrieben für Fußbodenheizungen neu aus. Der Sohn Andreas Möhlenhoff übernahm die Geschäfte 1999 nach dem Tod seines Vaters und blieb dem Standort Salder treu. Der Familienbetrieb entwickelt seit inzwischen 30 Jahren erfolgreich Stellantriebe für Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik mit eigener Produktion am Ort.

Wie produziert man Raumklima?

Beim Rundgang durch die blitzsaubere und moderne Produktionshalle zeigt uns ein Mitarbeiter das Hauptprodukt: einen unscheinbaren kleinen Zylinder, etwa so groß wie ein Heizungsventil. Außen ist heller Kunststoff, innen die Hochtechnologie, die Fußbodenheizungen steuert. Von diesem thermischen Antrieb werden heute mehr als 7 Millionen Stück pro Jahr hergestellt und bis nach China, Australien und Südamerika verkauft. Es läuft also alle drei Sekunden ein Stellantrieb vom Band. „Wir beliefern damit namhafte OEM-Kunden, international agierende Hersteller der Heizungsindustrie.“, erklärt Frank Geburek den Einsatz des Produkts. „In etwa 90% aller Fußbodenheizungen weltweit ist ein Stellantrieb von Möhlenhoff verbaut. Vielleicht sogar in Ihrer.“

Wie optimiert man das Firmenklima?

Das mittelständische Unternehmen ist noch immer in Familienbesitz, die Erben halten 100% der Firmenanteile. Diesen Familiensinn spürt man im Gespräch und später beim Rundgang über das Gelände – es herrscht ein angenehmes Klima, niemand fällt dem anderen ins Wort. Diesen Geist atmet die gesamte Firma.„Die Mitarbeiter wollen und können mitgestalten, was in größeren Konzernen so nicht möglich ist“, erklärt Geschäftsführer Dr. Jörg Teunissen. Einmal im Jahr gebe es ein Mitarbeitergespräch, unter anderem um zu sondieren, wie die Talente im Unternehmen effektiv gefördert werden können. „Die Kompetenzen des einzelnen können sich bei uns gut herauskristallisieren. Man kann hier sehr schnell sehr viel Verantwortung übernehmen."

Die Arbeitnehmer sind der Spirit der Firma

Die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen, dafür sorgt Möhlenhoff mit Eltern-Kind-Büro, einem eigenen Bistro, der Möglichkeit des Homeoffice, individuellen Teilzeitvereinbarungen und einer Umsatzbeteiligung für jeden Mit­arbeiter. „Und es gibt ein betriebliches Vorschlagswesen“, ergänzt Cornelia Küster. „Unsere 200 Mitarbeiter können Ideen zum Optimieren von Prozessen und Arbeitsalltag einreichen.“ So entstanden sportliche und andere teamübergreifende Aktivitäten, die von der Firma gefördert werden. „Der Spirit, der dabei entsteht, fließt in die Firma zurück“, freut sich Cornelia Küster. Möhlenhoff zieht mit all diesen Benefits als einer der attraktivsten Arbeitgeber der Region auch erfahrene Berufstätige nach Salzgitter Salder.

Ein Blick in die Zukunft: Energy Harvesting

Damit das so bleibt, ruht sich hier niemand auf seinem Erfolg aus. Geschäftsführer Frank Geburek verrät die Strategien für die Zukunft, um am Weltmarkt langfristig zu bestehen: „Ein Ziel sind Forschung und Entwicklung in den Bereichen Smarthome, Lüftungen und Automatisierung im Home­bereich.“ Die Firma ist damit auch tief in der Thematik des Energiesparens. In dem EU-geförderten Projekt „Energy Harvesting“ forschte ein Team in Kooperation mit der Hochschule Hannover an Nachhaltigkeit und effizienter Nutzung von Energie. Eins der Ziele als Beispiel: langfristig den Einsatz von Batterien in den Geräten ganz zu vermeiden. „Und unsere Tochtergesellschaft wesmartify ist ein preisgekröntes Startup im Smarthomebusiness.“ Deren Endkunden profitieren von energieeffizienten Raumlösungen für Wärme, Frischluft und Licht.

Den Nachwuchs im Blick: Stillstand unerwünscht

„Wir bilden etwas über Bedarf aus“, berichtet Cornelia Küster. „Im kaufmännischen und gewerblichen Bereich oder in einem dualen Studium ohne Verpflichtungen oder Rückzahlungsklausel.“ Nicht alle bleiben danach in der Firma. Aber die meisten. Die durchschnittliche Verweildauer der Angestellten beträgt wenig überraschend 12 Jahre.Stillstand scheint für alle hier ein Fremdwort zu sein. Unsere Gesprächspartner sind während unseres Treffens entspannt und konzentriert. Nach der letzten Frage verabschieden sie sich gutgelaunt, verlassen zielstrebig den Raum und eilen energiegeladen bereits den nächsten Aufgaben des Tages entgegen.

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Stadtglanz Print-Ausgabe 13 / Oktober 2019.